Photo: In Spähren by Ira Blum

Die zeitgenössische Fotografie wird beherrscht von einer kühlen Distanz zur dargestellten Welt. Die Künstler räumen auf, stellen klar und vergleichen. Durchaus eindrucksvoll und mit höchster Qualität. Aber eben auch mit dem sachlichen Blick des Archivars, der das Universum erst einmal ordnet, um es zu verstehen. Doch daneben gibt es ganz andere Sichtweisen ­– wie die dunkle Romantik der Ira Blum.

In ihren digital erzeugten Fotografien mit dem analogen Touch geht es nicht um eine exakte Beschreibung des Moments, sondern vielmehr um die dahinter liegenden Emotionen. „Sieh mal“ wird nicht zu „Begreif mal“, sondern zu „Fühl mal“. Immer in Verbindung mit dem süßen Schmerz der Erkenntnis, dass dieser Moment im Augenblick seines Entstehens bereits den Samen des Vergänglichen in sich trägt.

Kritiker mögen anmerken, dass die Verklärung der Realität in ihren Bildern die Grenzen zum kunsthandwerklichen oft arg strapazieren. Aber es ist genau diese Verklärung des Gegenständlichen, die das Fenster zur Geschichte hinter dem Bild öffnet. Und da bewegt sie sich in bester Gesellschaft von Sarah Moon oder dem einst gescholtenen David Hamilton, dessen Bilder inzwischen auch in Kreisen gesucht sind, die sich selbst als ganz schön kultiviert betrachten.

Ira Blum wurde 1975 in Sibirien geboren. Sie studierte dort Linguistik und Literaturwissenschaften. Dann verschlug es sie nach Deutschland, wo sie konsequent nach ihrem Weg suchte und dabei die Kamera entdeckte. Heute lebt und arbeitet sie in Essen.

Thomas Hobein über die bitter-süße Romantik der Ira Blum